Von Herzschmerz und Happy Ends
Liebe Marienhof-Besucher,
Lasse Norströms letzter Roman wurde gefunden! Damals, bei dieser furchtbaren Grippe, wusste ich ja gar nicht, dass ich mit dem berühmten Bestsellerautor im Krankenhaus liege. Er war so ein zurückhaltender und bescheidener Mann … Wenn der Verlag den Roman rausbringen sollte, werde ich ihn mir sofort kaufen. Angeblich ist sein letztes Buch auch gar kein Thriller, sondern eine Liebesgeschichte. Was gibt es Schöneres als eine tragische Liebe mit viel Herzschmerz und dann geht am Ende doch noch alles gut aus!
Wenn es im richtigen Leben doch auch immer ein Happy End geben würde! Ich ertrage es kaum noch mit anzusehen, wie Charly und Netty unter ihrer Trennung leiden. Doch es sieht nicht so aus, als ob Charly sich noch durchringen kann, ihr endlich zu verzeihen, damit die beiden wieder zueinander finden. Und Netty ist Hals über Kopf mit Toni nach München geflüchtet.
Aber da steckt noch mehr dahinter, als dass Netty Abstand zu Charly will. Ihnen kann ich es ja verraten, aber für Toni soll es eine Überraschung werden. In München findet eine ganz romantische Hochzeit im Dirndl und in Lederhose statt, die Nic klammheimlich vorbereitet hat.
Ich freu mich so für die beiden. Toni und Nic sind einfach ein tolles Paar. Nach den Dramen, die sie durchgemacht haben, haben sie ihr Happy End auch wirklich verdient. Toi toi toi, dass alles so gut bleibt.
Wenn ich es mir jetzt so recht überlege, kann ich mir eigentlich Norströms Liebesschmöker sparen. Hier im Marienhof haben wir mindestens so viel Herzschmerz und große Gefühle.
In diesem Sinne: ein Hoch auf die Liebe!
Eure Inge
Es ist zwar kein Wunder, aber trotzdem toll. Haben Sie schon gehört? Sandra Behrens ist wieder im Marienhof! Carolina wohnt doch seit ein paar Wochen bei Carlos und Heidi. Eigentlich sollte sie bei einen Sprachaufenthalt in Paris sein – aber kurzum: Sie ist hier geblieben und Sandra kommt wohl, um sie abzuholen. Ach, Carlos und Sandra waren schon ein schönes Paar. Zum einen eins mit Pleiten, Pech und Pannen, zum anderen die ganz große Liebe. Sandra ist ja mit ihrer Tochter und Jakob Weidemann nach Schweden ausgewandert wegen Carolinas Asthma. Aber das hat sich inzwischen gebessert. Vielleicht ziehen ja alle wieder hierher? Mein Mäuschen, also meine Tochter Lisa, bewahrt ja immer Diskretion – jedenfalls erzählt sie mir nicht, was bei Sandra los ist. Aber ich habe so ein Gefühl … wie soll ich sagen … ich glaube, Sandra hat auch Sehnsucht nach ihren alten Freunden im Marienhof. Ich würde mich jedenfalls riesig freuen und Lisa erst recht, wenn sie ihre beste Freundin wieder in ihrer Nähe hätte und Carolina fühlt sich auch pudelwohl hier. Wäre es nicht schön, wenn Sandra Behrens wieder an unserer Schule unterrichten könnte? Ich denke, ich treffe mich mal mit ihr auf einen Kaffee und versuche Näheres herauszufinden! Wenn ich was weiß, melde ich mich wieder, bis dahin,
manchmal ist es wirklich schwer, zu sehen, dass Menschen Fehler machen und man kann sie nicht davon abhalten. Mit großer Sorge verfolge ich, wie Netty sich verändert. Ich habe schon viele Geschichten bei uns im Marienhof erlebt – und trotzdem: Mit dem Mädchen fühle ich besonders mit. Ich dachte, sie und Charly wären glücklich und fast wirkte es so, als könnte den beiden nichts mehr passieren. Aber nun läuft es gar nicht rund – wie man heutzutage sagt. Meine Befürchtungen scheinen einzutreffen. Netty steht zu sehr unter dem Einfluss von David. Aus dem fröhlichen, flippigen Mädel scheint eine ehrgeizige Business-Frau zu werden. David hat ihr teure Kleidung geschenkt und ständig ist sie mit ihm bei Geschäftsessen, statt die Abende mit Charly zu verbringen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gönne ihr den beruflichen Erfolg von ganzem Herzen – ich freue mich auch, dass Ruth sich entschieden hat, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen – aber trotzdem vermisse ich die “alte” Netty und ich fürchte, Charly auch. Natürlich machen heute Frauen Karriere und das ist auch gut so, aber man muss auch achtgeben, dass die Partnerschaft nicht darunter leidet. Glaubt mir, soo emanzipiert sind die Männer nicht, dass sie damit zu rechtkommen, wenn die Frau an ihrer Seite sie links überholt und ihn dabei völlig übersieht. David scheint die Entwicklung sehr zu gefallen, er kann die Strippen ziehen und Netty ist fast wie eine Marionette in seinen Händen. Ich hoffe, dass Netty rechtzeitig erwacht und keinen schlimmen Fehler begeht. Denn am Ende steht nicht nur ihre berufliche Existenz, sondern gar noch ihre Beziehung auf dem Spiel.
ich bin sehr neugierig geworden. Marlon hat mir berichtet, dass Frida ihr Leben in einem Buch verarbeitet und er erzählt begeistert, dass Frida echtes Talent hat. Ich bin noch etwas skeptisch, immerhin haben wir hier im Marienhof eine ganz andere Frida kennengelernt. Eine, die sich mit David zusammengetan hat, um Toni und Nic auseinanderzubringen. Auch im Krankenhaus, als wir alle auf der Isolierstation lagen, war Frida mehr mit sich, als mit den anderen beschäftigt. Aber gut. Sie plagt sicher auch ein schrecklich schlechtes Gewissen – immerhin ist der nette Herr Sieben verstorben, weil Frida den Virus eingeschleppt hat. Und vielleicht hat sie jetzt das Bedürfnis, über ihre Schuld zu schreiben. Ich wünschte mir nur, Marlon wäre nicht so sehr von ihr eingenommen und würde das alles mit etwas mehr Distanz betrachten … Er hat so sehr unter dem Tod seiner Amelie gelitten, ich möchte nicht, dass ihm jemand wie Frida wehtut. Mein Gefühl bezüglich Netty und David scheint mich jedenfalls nicht zu trügen. Netty gerät ganz offensichtlich immer mehr in den Bann ihres neuen Arbeitgebers. Ein bisschen mehr Distanz wäre sicher besser. Aber was rede ich. Wir alle machen Fehler im Leben, die wir später wieder ausbügeln müssen. Und wer weiß, vielleicht nimmt die Geschichte in Fridas Buch und im wahren Leben ja ein gutes Ende.
ich bin noch etwas schwach auf den Beinen, aber Gott sei Dank ist die Gefahr des unbekannten Virus’ gebannt. Leider hat es der nette Her Sieben nicht überlebt. Sehr traurig – nicht mal Angehörige hat er. Seit ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sauge ich alle Neuigkeiten auf. Viel von dem, was um mich herum passiert, lässt mich aufhorchen. Bei einigen Entscheidungen meiner Freunde und Bekannten überkommt mich ein ungutes Gefühl. Wirkliche Vorahnung oder Einbildung? Netty zum Beispiel. Ist es schlau, bei David als persönliche Assistentin anzufangen? Sie wissen, auch ich habe David mal ausgeholfen, aber mir war bewusst, dass man sich vor ihm auch in Acht nehmen muss. Der Junge hat sich seit dem Kauf der Galerie in die Idee hineingesteigert, Macht zu besitzen. Dafür opfert er leider auch seine Moral. Nur deshalb hat er seine geliebte Toni verloren, was ihn zusätzlich verbittert. Ich bin mir nicht sicher, ob es gut für Netty ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Aber die Gute ist so froh, wieder eine richtige Aufgabe zu haben, sie stürzt sich regelrecht in ihren neuen Job. Auch Charly gefällt das nicht recht, aber er hält sich wohl raus.Wer sich nicht raus hält, ist Nics Mutter, eine vornehme Dame, die sich aber ziemlich vehement in die Hochzeitsvorbereitungen einmischt. Tanja und Stefano scheinen sie zu mögen, aber Nics Verhältnis zu ihr ist mehr als angespannt. Ich frage mich, ob es richtig war, Tonis zukünftige Schwiegermutter in den Marienhof einzuladen. Die Frau hat eine dunkle Seite, das spüre ich. Neben David und Nics Mutter gibt es noch eine Person, der man nach wie vor nicht trauen kann: Constanze. Der guten Heidi ist das sehr bewusst, während Carlos sich viel leichter einlullen lässt. Ich hoffe, Heidi kann ihrem Carlos die Augen öffnen. Nicht, dass am Ende Constanze Carlos für sich gewinnen kann. Ich hoffe, es bleibt bei diesem unguten Gefühl!