Schein und Sein
Liebe Marienhof-Besucher,
der Schein trügt, sagt ein altes Sprichwort. Und wenn ich Revue passieren lasse, was um mich herum geschieht, so kann ich das nur bestätigen. Manchmal will man glauben, was man sieht und in Wirklichkeit ist alles anders, als es scheint. Toni und Nic zum Beispiel. Sie wollen alle und vermutlich auch sich selbst in dem Glauben lassen, dass sie nichts weiter als gute Freunde sind. Aber mich können die beiden nicht täuschen, und Tonis Einzug in die WG wird sicher noch für einige Turbulenzen sorgen.
Lisa hat mir von dem Straßenjungen erzählt. Ruth hatte sie zu ihm geholt, als er hohes Fieber hatte und nicht in ein Krankenhaus wollte. Nun soll der Junge einfach verschwunden sein. Weg aus seinem Versteck, verloren im Nichts. Also ich weiß ja nicht recht – soll er wirklich wieder weggelaufen sein, und werden wir ihn nie wieder sehen? Vielleicht trügt auch hier das Bild, das sich bietet …
So wie bei Constanze. Fechner hat mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten, dass er Constanze dabei geholfen hat, ein von Bruno angefertigtes Bild teuer zu verkaufen. Da hat sich wohl jemand sehr vom schönen Schein blenden lassen.
Ich kann nur hoffen, dass dies nicht der Fall sein wird bei dem Richter, der den Prozess gegen Leas Pflegevater führt. Von Charly weiß ich, dass dieser Mann versucht, mit einer ganz üblen Verleumdung seiner gerechten Strafe zu entkommen. Aber ich bin sicher, dass am Ende die Wahrheit siegen wird. Naja, das hoffe ich doch zumindest …
Lassen Sie sich nicht blenden! Das wünscht Ihnen,
Ihre Inge
Und es gibt jemanden unter uns Marienhöflern, der in dieser Woche eindeutig eine falsche Entscheidung getroffen hat: Fechner. Neulich traf ich ihn vor seiner Pension. Wir haben uns unterhalten und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was an Thorsten Fechner anders ist als sonst. Ich hatte den Eindruck eine Wachsfigur spricht zu mir. Es gab zu seinen Erzählungen einfach keine entsprechende Mimik in seinem Gesicht. Und dann erfahre ich von meiner Tochter Lisa, dass der gute Mann sich hat Botox spritzen lassen – was er zutiefst bereut. Falsche Entscheidung. Und Tanja. Ich sehe sie im Wilden Mann stehen und arbeiten, obwohl sie gerade erst viel Schlimmes durchgemacht hat und noch unter Schock steht. Ist es wirklich die richtige Entscheidung, schon wieder arbeiten zu gehen? Unterdessen erfahre ich von Töppers, dass Stefano mit seiner Entscheidung hadert, den Dieb mit Hilfe von David zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Denn aus dem Dieb entpuppt sich ein Mensch mit Familie und mit vielen privaten Problemen. Eine schwierige Entscheidung für Stefano, ob er seinen harten Kurs beibehalten soll. Ich befürchte, es wird noch zu Problemen zwischen Tanja und Stefano kommen. Denn was wird Tanja sagen, wenn Stefano ein schlechtes Gewissen dem Mann gegenüber entwickelt, der ihr das ganze Leid zugefügt hat? Manchmal kann man im Leben entscheiden, wie man will, der Konflikt ist vorprogrammiert. Da stehen die Sterne eben schlecht.