Spiel mit dem Feuer
Liebe Marienhof-Besucher,
manchmal ist es wirklich schwer, zu sehen, dass Menschen Fehler machen und man kann sie nicht davon abhalten. Mit großer Sorge verfolge ich, wie Netty sich verändert. Ich habe schon viele Geschichten bei uns im Marienhof erlebt – und trotzdem: Mit dem Mädchen fühle ich besonders mit. Ich dachte, sie und Charly wären glücklich und fast wirkte es so, als könnte den beiden nichts mehr passieren. Aber nun läuft es gar nicht rund – wie man heutzutage sagt. Meine Befürchtungen scheinen einzutreffen. Netty steht zu sehr unter dem Einfluss von David. Aus dem fröhlichen, flippigen Mädel scheint eine ehrgeizige Business-Frau zu werden. David hat ihr teure Kleidung geschenkt und ständig ist sie mit ihm bei Geschäftsessen, statt die Abende mit Charly zu verbringen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gönne ihr den beruflichen Erfolg von ganzem Herzen – ich freue mich auch, dass Ruth sich entschieden hat, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen – aber trotzdem vermisse ich die “alte” Netty und ich fürchte, Charly auch. Natürlich machen heute Frauen Karriere und das ist auch gut so, aber man muss auch achtgeben, dass die Partnerschaft nicht darunter leidet. Glaubt mir, soo emanzipiert sind die Männer nicht, dass sie damit zu rechtkommen, wenn die Frau an ihrer Seite sie links überholt und ihn dabei völlig übersieht. David scheint die Entwicklung sehr zu gefallen, er kann die Strippen ziehen und Netty ist fast wie eine Marionette in seinen Händen. Ich hoffe, dass Netty rechtzeitig erwacht und keinen schlimmen Fehler begeht. Denn am Ende steht nicht nur ihre berufliche Existenz, sondern gar noch ihre Beziehung auf dem Spiel.
Seien Sie achtsam mit sich und Ihren Lieben,
Ihre Inge
ich bin sehr neugierig geworden. Marlon hat mir berichtet, dass Frida ihr Leben in einem Buch verarbeitet und er erzählt begeistert, dass Frida echtes Talent hat. Ich bin noch etwas skeptisch, immerhin haben wir hier im Marienhof eine ganz andere Frida kennengelernt. Eine, die sich mit David zusammengetan hat, um Toni und Nic auseinanderzubringen. Auch im Krankenhaus, als wir alle auf der Isolierstation lagen, war Frida mehr mit sich, als mit den anderen beschäftigt. Aber gut. Sie plagt sicher auch ein schrecklich schlechtes Gewissen – immerhin ist der nette Herr Sieben verstorben, weil Frida den Virus eingeschleppt hat. Und vielleicht hat sie jetzt das Bedürfnis, über ihre Schuld zu schreiben. Ich wünschte mir nur, Marlon wäre nicht so sehr von ihr eingenommen und würde das alles mit etwas mehr Distanz betrachten … Er hat so sehr unter dem Tod seiner Amelie gelitten, ich möchte nicht, dass ihm jemand wie Frida wehtut. Mein Gefühl bezüglich Netty und David scheint mich jedenfalls nicht zu trügen. Netty gerät ganz offensichtlich immer mehr in den Bann ihres neuen Arbeitgebers. Ein bisschen mehr Distanz wäre sicher besser. Aber was rede ich. Wir alle machen Fehler im Leben, die wir später wieder ausbügeln müssen. Und wer weiß, vielleicht nimmt die Geschichte in Fridas Buch und im wahren Leben ja ein gutes Ende.
ich bin noch etwas schwach auf den Beinen, aber Gott sei Dank ist die Gefahr des unbekannten Virus’ gebannt. Leider hat es der nette Her Sieben nicht überlebt. Sehr traurig – nicht mal Angehörige hat er. Seit ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sauge ich alle Neuigkeiten auf. Viel von dem, was um mich herum passiert, lässt mich aufhorchen. Bei einigen Entscheidungen meiner Freunde und Bekannten überkommt mich ein ungutes Gefühl. Wirkliche Vorahnung oder Einbildung? Netty zum Beispiel. Ist es schlau, bei David als persönliche Assistentin anzufangen? Sie wissen, auch ich habe David mal ausgeholfen, aber mir war bewusst, dass man sich vor ihm auch in Acht nehmen muss. Der Junge hat sich seit dem Kauf der Galerie in die Idee hineingesteigert, Macht zu besitzen. Dafür opfert er leider auch seine Moral. Nur deshalb hat er seine geliebte Toni verloren, was ihn zusätzlich verbittert. Ich bin mir nicht sicher, ob es gut für Netty ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Aber die Gute ist so froh, wieder eine richtige Aufgabe zu haben, sie stürzt sich regelrecht in ihren neuen Job. Auch Charly gefällt das nicht recht, aber er hält sich wohl raus.Wer sich nicht raus hält, ist Nics Mutter, eine vornehme Dame, die sich aber ziemlich vehement in die Hochzeitsvorbereitungen einmischt. Tanja und Stefano scheinen sie zu mögen, aber Nics Verhältnis zu ihr ist mehr als angespannt. Ich frage mich, ob es richtig war, Tonis zukünftige Schwiegermutter in den Marienhof einzuladen. Die Frau hat eine dunkle Seite, das spüre ich. Neben David und Nics Mutter gibt es noch eine Person, der man nach wie vor nicht trauen kann: Constanze. Der guten Heidi ist das sehr bewusst, während Carlos sich viel leichter einlullen lässt. Ich hoffe, Heidi kann ihrem Carlos die Augen öffnen. Nicht, dass am Ende Constanze Carlos für sich gewinnen kann. Ich hoffe, es bleibt bei diesem unguten Gefühl!
gerade erst letzte Woche habe ich von Constanze berichtet, die Fechner übel mitspielt und jetzt spitzt sich die Lage noch mehr zu. Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, helfe ich zu Zeit etwas bei David im Büro aus – der Arme ist ohne Sekretärin ja ganz unorganisiert. Und jetzt bekomme ich mit, dass Constanze Drohbriefe erhält. Ehrlich gesagt, bei all dem was sie angerichtet hat, wundert mich das überhaupt nicht. Aber wer steckt dahinter? Fechner? Und wenn ja, was hat er vor? Ich habe einen Blick in die Sterne geworfen und gerade stehen die Konstellationen so, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Unfällen kommen kann. Ich hoffe sehr, dass Fechner keine Dummheiten macht – auch wenn man ihn verstehen könnte – aber Rache hat noch nie etwas besser gemacht, sondern nur alle Beteiligten ins Unglück gestürzt. Wahrscheinlich haben Sie schon mitbekommen, dass auch bei Stefano die Wut ziemlich hoch kocht. Also muss auch der seine negativen Energien im Zaum halten. Etwas unheimlich wird mir auch, weil die Sterne andeuten, dass es zwei Abschiede im Marienhof geben wird. Ich weiß ja bereits, dass Kerstin mit ihrer Juliette nach Frankreich gehen will. Den beiden wünsche ich für ihre kleine Patisserie in der Provence alles Glück der Welt, auch wenn ich Kerstin ganz schrecklich vermissen werde. Aber ich habe absolut keine Ahnung, wer uns noch verlässt. Ich bin mal positiv und hoffe, dass ein ähnlich romantischer Hintergrund der Grund für einen weiteren Abschied ist. Wahrscheinlich weiß ich nächste Woche schon mehr …