Des einen Freud, des andern Leid
Liebe Marienhof-Besucher,
Netty und Charly haben noch immer nicht zusammengefunden. Auch die Romantik der bayrischen Traumhochzeit hat die beiden nicht näher gebracht, als zu einem kurzen Gespräch. Netty kam jedenfalls alleine hier an, Charly hat nicht mal die Gelegenheit ergriffen, mit Netty zurück nach Köln zu fahren. Wie kann man nur so verdammt stur sein?! Zu allem Überfluss hat Charly auch noch einen Bescheid vom Finanzamt bekommen – er muss knapp 10.000 Euro zahlen. Netty wollte ihm die 10.000 Euro von David Verhaag zukommen lassen, aber Charly ist zu stolz und verletzt, das Geld seines Nebenbuhlers anzunehmen.
Tarek hat ebenfalls große Geldsorgen: Seine kleine Schwester Fariba, die schwer krank ist, braucht dringend Medikamente. Tarek ist zwar in Deutschland amtlich geduldet, darf aber nicht arbeiten. Er hat bisher all sein Geld in den Iran geschickt, um seiner Schwester die notwendigen Medikamente zu ermöglichen. Was soll der arme Junge jetzt bloß tun?
Bei unserer Patchwork-Familie Garcia-Behrens-Torg geht es auch drunter und drüber. Heidi fühlt sich durch Sandra ziemlich ins Abseits gestellt. Carolina nützt das natürlich aus, denn nichts funktioniert besser, als die Erwachsenen gegeneinander auszuspielen. Doch damit ist sie übers Ziel hinausgeschossen: Sie war mit ihren Freundinnen heimlich im Foxy. Der Abend endete mit einem ganz schönen Schock! Doch etwas Gutes hat die Sache: Carlos, Heidi und Sandra haben beschlossen, von jetzt an in Sachen Carolina an einem Strang zu ziehen. Des einen Freud, des andern Leid …
In diesem Sinne, bis zur nächsten Woche,
Ihre Inge Busch
manchmal ist es wirklich schwer, zu sehen, dass Menschen Fehler machen und man kann sie nicht davon abhalten. Mit großer Sorge verfolge ich, wie Netty sich verändert. Ich habe schon viele Geschichten bei uns im Marienhof erlebt – und trotzdem: Mit dem Mädchen fühle ich besonders mit. Ich dachte, sie und Charly wären glücklich und fast wirkte es so, als könnte den beiden nichts mehr passieren. Aber nun läuft es gar nicht rund – wie man heutzutage sagt. Meine Befürchtungen scheinen einzutreffen. Netty steht zu sehr unter dem Einfluss von David. Aus dem fröhlichen, flippigen Mädel scheint eine ehrgeizige Business-Frau zu werden. David hat ihr teure Kleidung geschenkt und ständig ist sie mit ihm bei Geschäftsessen, statt die Abende mit Charly zu verbringen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gönne ihr den beruflichen Erfolg von ganzem Herzen – ich freue mich auch, dass Ruth sich entschieden hat, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen – aber trotzdem vermisse ich die “alte” Netty und ich fürchte, Charly auch. Natürlich machen heute Frauen Karriere und das ist auch gut so, aber man muss auch achtgeben, dass die Partnerschaft nicht darunter leidet. Glaubt mir, soo emanzipiert sind die Männer nicht, dass sie damit zu rechtkommen, wenn die Frau an ihrer Seite sie links überholt und ihn dabei völlig übersieht. David scheint die Entwicklung sehr zu gefallen, er kann die Strippen ziehen und Netty ist fast wie eine Marionette in seinen Händen. Ich hoffe, dass Netty rechtzeitig erwacht und keinen schlimmen Fehler begeht. Denn am Ende steht nicht nur ihre berufliche Existenz, sondern gar noch ihre Beziehung auf dem Spiel.
ich bin sehr neugierig geworden. Marlon hat mir berichtet, dass Frida ihr Leben in einem Buch verarbeitet und er erzählt begeistert, dass Frida echtes Talent hat. Ich bin noch etwas skeptisch, immerhin haben wir hier im Marienhof eine ganz andere Frida kennengelernt. Eine, die sich mit David zusammengetan hat, um Toni und Nic auseinanderzubringen. Auch im Krankenhaus, als wir alle auf der Isolierstation lagen, war Frida mehr mit sich, als mit den anderen beschäftigt. Aber gut. Sie plagt sicher auch ein schrecklich schlechtes Gewissen – immerhin ist der nette Herr Sieben verstorben, weil Frida den Virus eingeschleppt hat. Und vielleicht hat sie jetzt das Bedürfnis, über ihre Schuld zu schreiben. Ich wünschte mir nur, Marlon wäre nicht so sehr von ihr eingenommen und würde das alles mit etwas mehr Distanz betrachten … Er hat so sehr unter dem Tod seiner Amelie gelitten, ich möchte nicht, dass ihm jemand wie Frida wehtut. Mein Gefühl bezüglich Netty und David scheint mich jedenfalls nicht zu trügen. Netty gerät ganz offensichtlich immer mehr in den Bann ihres neuen Arbeitgebers. Ein bisschen mehr Distanz wäre sicher besser. Aber was rede ich. Wir alle machen Fehler im Leben, die wir später wieder ausbügeln müssen. Und wer weiß, vielleicht nimmt die Geschichte in Fridas Buch und im wahren Leben ja ein gutes Ende.
bin ich froh, dass meine Lisa schon so groß und selbständig ist. Auch ich hatte so einige Kämpfe mit ihr, wann immer sie etwas durchsetzen wollte. Und auch wenn es schön war, gebraucht zu werden, als sie klein war, jetzt erscheint es mir doch einfacher. Und sie können mir glauben, ich habe direkte Vergleiche! Marie ist zu Besuch und Kerstin hat ihre liebe Not, ihrer Tochter beizubringen, dass ihr neuer Partner eine Frau ist. Und das ist noch nicht alles. Ich bin mir nicht sicher, ob Marie schon weiß, dass sie Kerstin und Juliette bald in Frankreich besuchen muss. Wenn da mal nicht noch mehr Ärger auf die beiden zukommt. Sülo und Bruno haben es im Moment auch nicht leicht. Ich finde es wirklich herzzerreißend, wie Bruno im Radio nach einer neuen Mutter sucht. Der arme Sülo hat die schwere Aufgabe, seinem Kind schonend beizubringen, dass man ein neues Familienglück leider nicht erzwingen kann. Auch wenn ich es den beiden so gönnen würde. Aber nicht nur die eigenen Kinder bringen Trubel ins Haus. Auch Ziehkinder oder jüngere Geschwister haben es in sich. Das kann ich bei Charly beobachten. Tarek hat eine schwere Entscheidung zu treffen. Hoffentlich muss er nicht zurück in den Iran, das würde Ruth das Herz brechen. Ich fühle mich irgendwie krank – hoffentlich kein ernster Infekt.
die verschieden Lebensphasen eines Menschen und die dazugehörigen zukunftsweisenden, alterstypischen Entscheidungen ziehen sich auch durch den Marienhof. So beobachte ich voller Freude die zarte Liebe zwischen Ruth und Tarek. Sie sind erst am Anfang ihrer Lebensplanung und der Umgang mit der Liebe ist für die beiden noch geprägt von Unsicherheit und Aufregung. Aber es gibt Lebensabschnitte, in denen es schwieriger ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Nic und Toni lieben sich. Sie überlegen bereits den nächsten Schritt und wollen heiraten. Nur ist Toni plötzlich verunsichert, da sie schon zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat. Sollte man den einen, großen Lebensabschnitt im Leben mehrmals wagen? Der Ehe eine zweite oder gar eine dritte Chance geben? Ich denke, die Liebe ist es immer wert, ein Risiko einzugehen. Daher würde ich mich auch wahnsinnig freuen, wenn Carlos und Heidi endlich zusammenziehen. Und was kommt nach dem Zusammenziehen? Der Nachwuchs. Netty hat mich ins Vertrauen gezogen. Seit sie sich um Bruno gekümmert hat, wünscht sie sich ein Kind. Also ich würde mich ja über ein noch ein kleines Baby im Marienhof freuen, damit Angelo später jemanden hat, mit dem er spielen kann. Aber Netty sollte sich sicher sein, dass das Baby kein Lückenbüßer für den geplatzten Traum vom eigenen Friseursalon ist. Und während alle um mich herum damit beschäftigt sind, eigene Lebensmodelle zu finden und umzusetzen, haben andere ganz neue Ideen zur Gestaltung ihres Lebens. Ich überlege mir lieber nicht, was die Dreier-Konstellation von Kerstin, Juliette und Raul zu bedeuten hat. Aber man muss ja auch nicht für alles offen sein. Die Frage ist nur für mich, ob die drei wissen, auf was sie sich da einlassen.