Falsche Entscheidungen
Liebe Marienhof-Besucher,
ich bin noch etwas schwach auf den Beinen, aber Gott sei Dank ist die Gefahr des unbekannten Virus’ gebannt. Leider hat es der nette Her Sieben nicht überlebt. Sehr traurig – nicht mal Angehörige hat er. Seit ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sauge ich alle Neuigkeiten auf. Viel von dem, was um mich herum passiert, lässt mich aufhorchen. Bei einigen Entscheidungen meiner Freunde und Bekannten überkommt mich ein ungutes Gefühl. Wirkliche Vorahnung oder Einbildung? Netty zum Beispiel. Ist es schlau, bei David als persönliche Assistentin anzufangen? Sie wissen, auch ich habe David mal ausgeholfen, aber mir war bewusst, dass man sich vor ihm auch in Acht nehmen muss. Der Junge hat sich seit dem Kauf der Galerie in die Idee hineingesteigert, Macht zu besitzen. Dafür opfert er leider auch seine Moral. Nur deshalb hat er seine geliebte Toni verloren, was ihn zusätzlich verbittert. Ich bin mir nicht sicher, ob es gut für Netty ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Aber die Gute ist so froh, wieder eine richtige Aufgabe zu haben, sie stürzt sich regelrecht in ihren neuen Job. Auch Charly gefällt das nicht recht, aber er hält sich wohl raus.Wer sich nicht raus hält, ist Nics Mutter, eine vornehme Dame, die sich aber ziemlich vehement in die Hochzeitsvorbereitungen einmischt. Tanja und Stefano scheinen sie zu mögen, aber Nics Verhältnis zu ihr ist mehr als angespannt. Ich frage mich, ob es richtig war, Tonis zukünftige Schwiegermutter in den Marienhof einzuladen. Die Frau hat eine dunkle Seite, das spüre ich. Neben David und Nics Mutter gibt es noch eine Person, der man nach wie vor nicht trauen kann: Constanze. Der guten Heidi ist das sehr bewusst, während Carlos sich viel leichter einlullen lässt. Ich hoffe, Heidi kann ihrem Carlos die Augen öffnen. Nicht, dass am Ende Constanze Carlos für sich gewinnen kann. Ich hoffe, es bleibt bei diesem unguten Gefühl!
Ihnen wünsche ich eine Woche voller Vertrauen und mit einem guten Gefühl,
Ihre Inge
die verschieden Lebensphasen eines Menschen und die dazugehörigen zukunftsweisenden, alterstypischen Entscheidungen ziehen sich auch durch den Marienhof. So beobachte ich voller Freude die zarte Liebe zwischen Ruth und Tarek. Sie sind erst am Anfang ihrer Lebensplanung und der Umgang mit der Liebe ist für die beiden noch geprägt von Unsicherheit und Aufregung. Aber es gibt Lebensabschnitte, in denen es schwieriger ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Nic und Toni lieben sich. Sie überlegen bereits den nächsten Schritt und wollen heiraten. Nur ist Toni plötzlich verunsichert, da sie schon zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat. Sollte man den einen, großen Lebensabschnitt im Leben mehrmals wagen? Der Ehe eine zweite oder gar eine dritte Chance geben? Ich denke, die Liebe ist es immer wert, ein Risiko einzugehen. Daher würde ich mich auch wahnsinnig freuen, wenn Carlos und Heidi endlich zusammenziehen. Und was kommt nach dem Zusammenziehen? Der Nachwuchs. Netty hat mich ins Vertrauen gezogen. Seit sie sich um Bruno gekümmert hat, wünscht sie sich ein Kind. Also ich würde mich ja über ein noch ein kleines Baby im Marienhof freuen, damit Angelo später jemanden hat, mit dem er spielen kann. Aber Netty sollte sich sicher sein, dass das Baby kein Lückenbüßer für den geplatzten Traum vom eigenen Friseursalon ist. Und während alle um mich herum damit beschäftigt sind, eigene Lebensmodelle zu finden und umzusetzen, haben andere ganz neue Ideen zur Gestaltung ihres Lebens. Ich überlege mir lieber nicht, was die Dreier-Konstellation von Kerstin, Juliette und Raul zu bedeuten hat. Aber man muss ja auch nicht für alles offen sein. Die Frage ist nur für mich, ob die drei wissen, auf was sie sich da einlassen.
wir sind alle unendlich erleichtert, denn Toni ist wieder auf dem Weg der Genesung. Nic, Tanja und Stefano können ihr Glück kaum fassen und vielleicht hat mein kleiner Apell an Amelie in der letzten Woche ja etwas bewirkt und ab jetzt fungiert sie als Tonis ganz persönlicher Schutzengel. Doch etwas mulmig wird mir, wenn ich überlege, was aus David werden soll. Wie konnte es nur soweit kommen?! Inzwischen habe ich sogar erfahren, dass David eigentlich sogar Nic umbringen wollte! So ganz kann ich das immer noch nicht glauben. Aber ich versuche optimistisch zu sein und hoffe, dass David eine zweite Chance bekommt und sie auch nutzt. Vielleicht kann Amelie ihren Schutz ja auch auf ihren Bruder ausweiten. Und während ich so schreibe, merke ich, dass mal wieder viele Menschen im Marienhof Hilfe und Unterstützung gebrauchen könnten: Kerstins Gefühle für Raul werden durch Juliettes Rückkehr erneut auf den Prüfstand gestellt. Und was ist eigentlich mit Fechner und Constanze los? Während wir alle um Toni besorgt waren, sind die beiden scheinbar noch näher zusammen gerückt. Ich weiß, ich unke schon wieder, aber bei der Konstellation scheint mir, Fechner braucht einen Schutzengel, der ihn vor allzu blinder Verliebtheit bewahrt. Und so komme ich zu dem Schluss, dass der ganze Marienhof gut einen eigenen Schutzengel gebrauchen könnte. Vielleicht ginge es hier dann in Zukunft etwas ruhiger zu. Auch wenn ich zugeben muss, dass es auf diese Weise hier nun wirklich niemals langweilig ist.
ich zittere immer noch am ganzen Körper, wenn ich über die jüngsten Ereignisse bei uns im Marienhof nachdenke. Und auch wenn ich mir wünschte, es wäre anders gekommen, muss ich doch anmerken, dass ich es in gewisser Weise vorausgesehen habe. Von Anfang an hatte ich ein ungutes Gefühl. Bei dieser Frida, die plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht ist und auch bei David, der in letzter Zeit immer angespannter wurde. Nun hat sich auf schreckliche Weise bestätigt, dass David das Ende seiner Ehe mit Toni nicht verarbeitet hat. Mehr noch: Sein ganzer Hass hat sich auf Nic projiziert, bis es schließlich zum Äußersten gekommen ist. Keiner von uns kennt bisher die genauen Umstände, aber eine traurige Tatsache ist klar: Zwischen Toni, Nic und David ist ein großes Unglück passiert, eine Waffe war mit im Spiel und jetzt kämpft Toni im Krankenhaus um ihr Leben. Wir alle sind bei ihr und hoffen inständig, dass sie es schafft. Wie ich Tanjas und Stefanos starke Tochter kenne, stehen die Chancen gut. Und wie viele wissen, glaubt man im tiefsten Leid fest daran, dass es eine höhere Macht geben muss, die das Schicksal steuern kann: Also Amelie, falls Toni an deine Tür klopft, freu dich über das Wiedersehen, aber schick sie schnell zu uns zurück. Ich glaube fest daran, dass auch du möchtest, dass Toni noch ein Weilchen bei uns bleibt.
Wer ist einem wohlgesonnen und wer nicht? Ich habe wieder einmal festgestellt, dass die Unterscheidung manchmal nicht ganz einfach fällt. Die Frage ist, welches Urteil über einen Menschen gilt, wann und für wie lange? Und wann lässt man sich von Personen auf falsche Fährten locken? Was diese Woche im Marienhof wieder alles passiert, zeigt deutlich, was ich meine: Ich verrate ja nun kein Geheimnis mehr, dass es offensichtlich ein gewaltiges Problem zwischen Raul und Juliette gibt. Doch plötzlich geraten die beiden in eine Situation, in der Raul über seinen Schatten springen muss. Er hat dabei die Chance, Juliette mit ganz anderen Augen zu sehen – nicht nur als Konkurrentin und potentielle Bedrohung seiner Beziehung mit Kerstin. Wird Raul seine Meinung über Juliette grundlegend revidieren? Ein anderes Beispiel: Marlon. Toni hat mir versichert, dass Marlon zu Beginn bei Nics Noch-Ehefrau Frida keine guten Absichten vermutete. Doch dann muss es Frida irgendwie gelungen sein, Marlon vom Gegenteil zu überzeugen. Auf einmal verteidigt Marlon Frida sogar! Hat Frida sich wirklich gewandelt? Oder schätzt Toni sie völlig falsch ein? Möglich ist alles, auch wenn ich bei Frida kein gutes Gefühl habe. Zumal die arme Toni jetzt auch noch befürchtet, dass sie wegen Fridas Einmischung Netty als Freundin verliert. Wie man sieht, das Rad der Sympathien dreht sich und stiftet ordentlich Verwirrung … Ich hoffe, dass am Ende aber doch Wahrheit und aufrichtige Freundschaft über allem stehen.